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Kannst uns die Band und ihren bisherigen
Werdegang einmal kurz vorstellen?
Atrium Noctis wurde 2002 von mir in
Köln gegründet.
Das Ganze war ursprünglich als ein Projekt anlässlich einer Auftragsarbeit für
einen Kurzfilm geplant. Die Zusammenarbeit der einzelnen Musiker untereinander
erwies sich jedoch schnell als so harmonisch, dass man beschloss, als feste
Band zusammen zu bleiben.
Da wir in den ersten zwei Jahren einfach keinen festen Sänger fanden, der
musikalisch und menschlich zu uns passte, mussten wir unsere 1. CD ohne Gesang
im Studio einspielen. Wir waren uns jedoch sicher, dass sich der Richtige
schon irgendwann bei uns einfinden würde. Durch diesen Umstand wollten wir uns
aber nicht in unserer Arbeit aufhalten lassen.
Es war die richtige Entscheidung, wie sich später herausstellte. Auf der
CD „Blackwards“ haben wir uns auch noch an unseren Stil herangetastet.
Mittlerweile sind wir jedoch mit „The Eyes of Medusa“
eindeutig im sinfonischen Blackmetal angelangt. Unser Anliegen ist es,
Todessehnsüchte und - ängste in ihren vielfältigen Erscheinungsformen
musikalisch und lyrisch darzustellen. Es geht dabei um die Kämpfe mit dem Bösen
und die Faszination, die von ihm ausgestrahlt wird. Als unsere Grundphilosophie
könnte man es bezeichnen, mystische und kontrastreiche Stimmungen, sowohl
musikalisch als auch lyrisch, zu erschaffen. Ich möchte dies als das Bedürfnis
bezeichnen, Geschichten des Bösen und vom Tod zu erzählen. Da das Böse
vielfältige Gesichter hat, ist es ein unermesslicher Pool an Ideen und
Inspirationen. Besonders die Kämpfe und Visionen während des Überganges vom
Leben zum Tod in eine musikalische und lyrische Gestalt zu fassen, üben für uns
einen großen Reiz aus.
Ihr seid ja 'ne Menge Leute, wie teilt ihr
das Schreiben der Songs unter
euch auf?
Den Ausgangspunkt für einen Song stellt bei
uns immer erst einmal die Musik und ihre Atmosphäre selbst dar. Die
musikalischen Ideen entstehen dabei überwiegend erst einmal in meinem stillen
Kämmerlein. So entsteht auch der Songtitel und häufig die Idee für eine
mögliche Handlung Danach werden die Riffs mit der Band gemeinsam ausgearbeitet
und arrangiert. Erst wenn der Song instrumental fertig ist, kommt der Sänger
auf den Plan. Chim hat es dabei in den Songs immer hervorragend verstanden,
die Musik mit den zugrunde liegenden Geschichten mit seinen eigenen Ideen
und Vorstellungen zu verknüpfen und ihnen eine wunderschöne lyrische Form zu
verleihen. Auf diese Weise wurde die neue CD „The Eyes of Medusa“ vollständig
abgerundet.
Und wer ist für die Texte verantwortlich und
welches Textkonzept steckt
hinter "The Eyes of Medusa"?
Chim.
Inspirationen für die aktuellen Songs von ATRIUM NOCTIS
sind immer Bilder, Geschichten, Gefühle und eigene Erlebnisse.
Die eingehende Beschäftigung mit der Mythologie und mit Lyrik, aber auch mit
psychologischen Themen ist dabei unerlässlich. Chim hat sich als Student der
englischen Literaturwissenschaft schon seit ewigen Zeiten mit diesen Themen
beschäftigt, sie erforscht und studiert. Da wir lyrische Themen und Songtexte
in der Regel einfach spannender und interessanter, aber auch in diesem
Zusammenhang angemessener finden, als stumpfe Textorgien von Gewalt und Blut,
ist ein Studium von verschiedenen literarischen Gattungen, neben den oben
genannten Themen besonders für Chim immer eine Selbstverständlichkeit gewesen.
Außerdem sind die Möglichkeiten hierbei besonders vielfältig, besonders was die
Mehrdeutigkeit anbetrifft. Wenn man Musik, Kunst und Lyrik als einen Spiegel
der Seele bezeichnen möchte, dann können wir also sagen, dass die
Auseinandersetzung mit den Themen, die wir musikalisch und lyrisch beschreiben,
nicht nur eingehenden Recherchen und persönlichem Interesse in den
verschiedenen Gebieten unterliegen, sondern eigentlich eine lebenslange
persönliche Auseinandersetzung beinhalten.“
Chim : „Beschäftigt habe ich mich aber selbstverständlich mit jedem Thema
ausführlich; sei es durch Lektüre über Mythologie, durch Lesen von Songtexten
oder durch schlichtes Auseinandersetzen mit den Ideen, die ich im Kopf hatte.“
Die neuen Liedtexte auf „The Eyes Of Medusa“ haben wenig
miteinander gemeinsam, sie unterscheiden sich sogar in der Sprache
untereinander . „Der Song `Zerberon` ist ein schweres, nachdenkliches Lied, bei
dem es um eine Kombination von mythologischen Motiven mit einer Darstellung der
größten menschlichen Angst, der Angst vor dem Tod und der Frage, was danach
kommt, geht. `Snow On Thy Epitaph` hingegen ist ein sehr emotionaler Text: Eine
geliebte Person ist gestorben, woraufhin der Protagonist mit seinem Leben nicht
mehr klarkommt. In diese Trauer wurde dann bewusst ein kleines surreales
Horrorszenario eingebaut, da durch die Zusammenführung der Liebenden im ewigen
Schattentanz doch noch ein kleines Happy End zu Stande kommt. `Day Of Rebirth`
trägt autobiographische Züge. Die Kernaussage lässt sich aber im Groben so
zusammenfassen: Egal, wie sehr du niedergetrampelt wirst, irgendwann kommt der
Tag, an dem du aufsteigen wirst, wie Phoenix aus der Asche. `Last Gate` ist
nicht eindeutig – nimmt man den Text wörtlich, ist es eine (aus verschiedenen
Perspektiven erzählte) Kurzgeschichte über eine Gruppe von Reisenden, die von
einem höhnischen Wesen mit übernatürlichen Kräften gestoppt wird. Geht man aber
einen Schritt weiter, lässt sich hier auch eine Parallele zur Entwicklung der
Menschheit sehen. Ein langer Weg, der bis hierhin beschritten wurde. Aber wo
führt er hin? Sollte die Entwicklung so weitergehen, wird sich die Menschheit
irgendwann selbst auslöschen oder möglicherweise auch durch Naturkatastrophen,
Krankheiten etc. ihr Ende finden. `Chains Of Red Ice` ist eine Hommage an das
russische Lebensgefühl. Im Text wird der Gegensatz zwischen dem Gefühl der
Enge, der Unterdrückung und Einsperrung auf der einen Seite und der
Warmherzigkeit, Heimat und Gemütlichkeit auf der anderen Seite dargestellt. Wir
haben speziell dafür auch russische Textzeilen eingebaut. `Pandora's Kiss`
zeigt, wie schnell Bösartigkeit und Selbstüberschätzung einen Menschen in den
Wahnsinn treiben kann. Hier ist noch stärker als in `Zerberon` der
mythologische Zusammenhang gegeben; die mythologische Pandora ist hier
vermischt mit der Vorstellung der Verkörperung von Grausamkeit und Wahnsinn.
`Ancient Whispers` stellt den Schluss des Albums dar und ist ein sehr ruhiger
Song mit einem sanften Ausklang. Der Song rundet das Album ab, indem er an
`Zerberon` anknüpft, den ewigen Kreislauf des Lebens darstellt (wenn auch
wesentlich positiver), sowie die kurze Lebensspanne der Menschen im Vergleich
zur Natur betont.“
Auf eurer Webseite steht, dass eure Musik für
mehrere Kurzfilme auf verschiedenen Filmfestspielen angefragt und benutzt
wurde. Für welche Art von Filmen wurden die Songs gebraucht,
Horrorstreifen?
Haha, nein. Auf diesen Filmfestspielen werden kreativ-
experimentelle Filme, die häufig eine sozialkritische Note aufweisen, gezeigt.
Die Bewerber sind zum großen Teil aus dem internationalen semiprofessionellen
Bereich.
Von
ATRIUM NOCTIS gibt's auch schon zwei DVDs, was eigentlich sehr ungewöhnlich ist
für eine junge Band. Was ist auf den DVDs drauf?
Unsere 1. DVD ist ein Video zu unserem Song „Silencio“.
Hier könnte man wohl noch am ehesten von Horrorfilm sprechen. Es ist eine Art
Video-Clip im narrativen Stil, also mit Handlung. Die 2. DVD ist ein Live-Mitschnitt
unseres Konzerts im Stahlwerk 2005.
Für beide DVDs hatten wir die Angebote von professionellen Film- und
Kamera-Teams bekommen. Bei der Live-DVD mussten wir uns nur noch um eine
Cutterin kümmern. Wir fanden es einfach interessant, mal mit einem Filmteam
zusammenzuarbeiten. Es ist mal was Anderes. Und unglaublich viel Spaß hat es
auch gemacht.
Was habt ihr euch für die kommende CD
vorgenommen, die ja wohl nächstes Jahr erscheinen soll?
Natürlich noch einen drauf zu setzen ! Ob uns das
gelingen wird, wird jedoch im Ermessen unserer Hörer liegen.
Wie steht's um eure Liveaktivitäten?
Mittelprächtig. Es könnten mehr Gig-Angebote aus der
black- metallischen Ecke kommen.
Ich
muss allerdings auch zugeben, dass wir nicht jedes Angebot annehmen. Wir spielen
ca. 6-8 Gigs im Jahr, wovon wir ca. drei Konzerte selbst veranstalten. Wir sind
der Meinung, dass es eigentlich wenig Zweck hat, sich als sinfonische
Blackmetaller zwischen Hardcore-Deathern oder Grindcore- Musikern zu
prostituieren. Auf diese Weise erhalten wir uns die Freude an unserer eigenen
Musik.
Zu unseren selbst veranstalteten Konzerten laden wir ausschließlich melodische
Metalbands ein, deren Musik wir selbst auch mögen. Dies ist wieder am 2.12.06
und am 20.1.07 im Q1 in Bergisch Gladbach mit Aardvarks, Sacrasphemy, Dark Wire
und Nordafrost der Fall.
Welche Ziele habt ihr mit der Band in der Zukunft?
Das Wichtigste ist für uns erstmal, dass wir so ernsthaft und
harmonisch weiterhin zusammenarbeiten wie bisher. Außerdem finden wir hoffentlich
mal einen Weg , unsere immensen Unkosten in Verbindung mit der Band zumindest
halbwegs zu reduzieren. Und zu guter Letzt wird es auch für uns Zeit, dass wir
uns im nächsten Jahr mal bei den einschlägigen Plattenlabels mit unserer Musik
vorstellen. Schau’n wir mal, was dabei rauskommt.
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