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[Legacy] Kommen wir doch gleich zu eurer
aktuellen Veröffentlichung "The Eyes Of Medusa". Was sollten
die Leser eurer Meinung nach denn alles zur Entstehungsgeschichte des aktuellen
Werkes wissen?
[Hydra] “The Eyes of Medusa“ ist unsere 2.CD. Zum Zeitpunkt
der Aufnahme bestand die Band seit drei Jahren. Wo wir uns bei unserer 1.CD
„Blackwards“ noch an unseren Stil herangetastet haben, sind wir mit der neuen
Scheibe für uns eindeutig im sinfonischen Blackmetal angelangt. Auf der CD „The
Eyes of Medusa“ werden Todessehnsüchte und –ängste in ihren vielfältigen
Erscheinungsformen musikalisch und lyrisch dargestellt. Es geht um die Kämpfe
mit dem Bösen und die Faszination, die es ausstrahlt. Als
Grundphilosophie der Band könnte man es bezeichnen, mystische und
kontrastreiche Stimmungen, sowohl musikalisch als auch lyrisch zu schaffen.
[Legacy]Was würdest du als euren größten ideellen "Antriebsmotor" definieren,
um diese Art von Musik zu kreieren?
[Hydra] Ich möchte es als das Bedürfnis bezeichnen, Geschichten
des Bösen und vom Tod zu erzählen. Da das Böse vielfältige Gesichter hat, ist
es ein unermesslicher Pool an Ideen und Inspirationen . Besonders die
Kämpfe und Visionen während des Überganges vom Leben zum Tod in eine
musikalische und lyrische Gestalt zu fassen, üben für uns einen großen Reiz
aus.
[Legacy] Wo habt ihr die neue Scheibe aufgenommen? Wie lange habt
ihr für die Aufnahmen der Lieder gebraucht, und wie hat euch die Arbeit daran
im Großen und Ganzen gefallen?
[Hydra] Wir haben die CD
bei Oliver Weiskopf im Stonehenge-Studio in Bonn /Bad Godesberg aufgenommen.
Das Einspielen der Songs ging eigentlich recht zügig und war nach einigen Tagen
erledigt. Das Abmischen hat die meiste Zeit gekostet und dauerte insgesamt drei
Monate. Natürlich ist das Einspielen anstrengend. Aber mit Oliver Weiskopf
haben wir einen so einfühlsamen und kompetenten Produzenten gefunden, dass es
faszinierend und beflügelnd zugleich war, die Songs bei ihm einzuspielen und zu
mischen. Durch seine Arbeit ist noch eine weitere wichtige Facette zu den Songs
hinzugekommen, die sie noch mehr zum Strahlen gebracht hat. Wir haben ihm
wirklich viel zu verdanken.
[Legacy] Welche Art von Einflüssen und
Inspirationen (Bands etc.) waren für das neue Werk von Relevanz?
[Hydra] Ich denke, dass
sich die Einflüsse von Dimmu Borgir und Cradle of Filth wohl kaum
wegdiskutieren lassen werden. Aber genauso haben Gruppen wie Graveworm, Ad
Inferna , Obsidian Gate , Satyricon, Hollenthon, Finntroll, Summoning, Empyrium
und natürlich auch Mortiis ihre Spuren in unserem musikalischen Denken
hinterlassen. Weiterhin bin ich selbst natürlich auch von Musikern der
klassischen Musik wie Brahms, Beethoven und Chopin beeinflusst. Brahms ist für
mich einer der ersten Blackmetaller an sich. Seine Werke sind häufig von einer
solchen Schwermut, Kraft und Traurigkeit durchtränkt, dass sie mich schon als
Kind in ihren Bann gezogen haben. Ich glaube, dass es Brahms zuzutrauen gewesen
wäre, in einem Anflug von Heiterkeit vielleicht ein Stück mit dem Titel „Das
Grab ist meine Freude“ zu schrieben. Ebenfalls wichtig für meine Entwicklung
war damals das Album „Pictures at an Exhibition“ von Emerson, Lake and Palmer.
Neben vielen anderen Musikgruppen und Bands wurde das Werk „Bilder einer
Ausstellung“ von Mussorgsky meisterhaft in das Genre der Rockmusik
transportiert. Später habe ich erst die Fassung von Mekong Delta gehört, die
mich aber auch bis zum heutigen Tage nicht minder begeistert. Abschließend möchte ich aber an dieser Stelle noch die Musik von Hans Zimmer
nennen, die eine unglaubliche Faszination auf mich ausübt.
Inspirationen für die Songs an sich sind aber letztendlich immer Bilder,
Geschichten, Gefühle und eigene Erlebnisse gewesen.
[Legacy] Worum genau drehen sich die neuen Liedertexte?
[Hydra] Die neuen Liedtexte haben wenig gemeinsam, sie
unterscheiden sich sogar in der Sprache untereinander.
- Zerberon ist ein schweres, nachdenkliches Lied bei dem es um
eine Kombination von mythologischen Motiven mit einer Darstellung der
größten menschlichen Angst, der Angst vor dem Tod und der Frage, was danach
kommt, geht.
- Snow on thy Epitaph ist ein sehr emotionaler Text : Eine geliebte Person ist
gestorben woraufhin der Protagonist mit seinem Leben nicht mehr klarkommt. In
diese Trauer wurde dann bewusst ein kleines surreales Horrorszenario eingebaut,
da durch die Zusammenführung der Liebenden im ewigen Schattentanz doch noch ein
kleines Happy End zu Stande kommt.
- Day of Rebirth trägt autobiographische Züge. Die Kernaussage lässt sich
aber im Groben so zusammenfassen: Egal, wieviel du niedergetrampelt wirst,
irgendwann kommt der Tag, an dem du aufsteigen wirst, wie Phoenix aus der
Asche.
- Last Gate ist nicht eindeutig. Nimmt man den Text wörtlich, ist es
eine (aus verschiedenen Perspektiven erzählte) Kurzgeschichte über eine Gruppe
von Reisenden, die von einem höhnischen Wesen mit übernatürlichen Kräften
gestoppt wird. Geht man aber einen Schritt weiter, lässt sich hier auch eine
Parallele zur Entwicklung der Menschheit sehen. Ein langer Weg, der bis hierhin
beschritten wurde. Aber wo führt er hin? Sollte die Entwicklung so weitergehen,
wird sich die Menschheit irgendwann selbst auslöschen oder möglicherweise auch
durch Naturkatastrophen, Krankheiten etc ihr Ende finden.
- Chains of Red Ice ist eine Hommage an das russische Lebensgefühl. Im
Text wird der Gegensatz zwischen dem Gefühl der Enge, der Unterdrückung und
Einsperrung auf der einen Seite und der Warmherzigkeit, Heimat und
Gemütlichkeit auf der anderen Seite dargestellt. Wir haben speziell dafür auch
russische Textzeile eingebaut.
- Pandora's Kiss zeigt, wie schnell Bösartigkeit und Selbstüberschätzung
in den Wahnsinn treiben kann. Hier ist noch stärker als in Zerberon der
mythologische Zusammenhang gegeben; die mythologische Pandora ist hier
vermischt mit der Vorstellung der Verkörperung von Grausamkeit und Wahnsinn.
- Ancient Whispers stellt den Schluss des Albums dar und ist ein sehr
ruhiger Song mit einem sanften Ausklang. Song rundet das Album ab, indem er an
Zerberon anknüpft, den ewigen Kreislauf des Lebens darstellt (wenn auch
wesentlich positiver), die kurze Lebensspanne derMenschen im Vergleich zur
Natur betont.
[Legacy] Woher kam/kommt das Interesse an den lyrischen Themen
eurer neuen Lieder?
[Hydra] Den Ausgangspunkt für einen Song stellt für uns immer
erst einmal die Musik dar. Dort entsteht auch der Song-Titel und häufig
die Idee für eine mögliche Handlung Chim hat es hervorragend
verstanden, diese Geschichten mit seinen eigenen Ideen und Vorstellungen zu
verknüpfen und ihnen eine wunderschöne lyrische Form zu verleihen. Auf diese
Weise wurde dieses Werk vollständig abgerundet. Die eingehende
Beschäftigung mit der Mythologie und mit Lyrik, aber auch mit psychologischen
Themen ist dabei unerlässlich. Chim hat sich als Student der englischen Literaturwissenschaft
schon seit ewigen Zeiten mit diesen Themen beschäftigt, sie erforscht und
studiert. Da wir lyrische Themen und Songtexte in der Regel einfach spannender
und interessanter, aber auch in diesem Zusammenhang angemessener finden, als
stumpfe Textorgien von Gewalt und Blut, ist ein Studium von verschiedenen
literarischen Gattungen, neben den oben genannten Themen besonders für
Chim immer ein Selbstverständlichkeit gewesen. Außerdem sind die Möglichkeiten
hierbei besonders vielfältig, besonders was die Mehrdeutigkeit anbetrifft.
[Legacy] Wie tiefgehend habt ihr euch mit den
zugrunde liegenden Thematiken für die neuen Texte beschäftigt?
[Hydra] Wenn man Musik, Kunst und Lyrik als einen Spiegel der Seele bezeichnen
möchte, dann können wir sagen, dass die Auseinandersetzung mit den Themen, die
wir musikalisch und lyrisch beschreiben, nicht nur eingehenden Recherchen
und persönlichem Interesse in den verschiedenen Gebieten unterliegen, sondern
eigentlich eine lebenslange persönliche Auseinandersetzung beinhalten.
Chim: “ Beschäftigt habe ich mich aber selbstverständlich mit jedem Thema
ausführlich, sei es durch Lektüre über Mythologie, durch Lesen von Songtexten
oder durch schlichtes Auseinandersetzen mit den Ideen, die ich im Kopf hatte.“
[Legacy] Nun zum Thema "Kunst" - welche künstlerischen
Aspekte sind euch in eurer Musik im Jahre 2006 am wichtigsten?
[Hydra] Ich beschäftige mich wieder mehr mit meinem alten
„Steckenpferd“, der zeitgenössischen klassischen Musik. Neben Arvo Pärt
sind die Vertreter der Minimal Music wie Steve Reich und Philip Glass für
mich von Interesse. Eine Beschäftigung mit den russischen Klassikern wie Mussorgsky, Prokoffjev und
Tschaikowsky wie auch die Auseinandersetzung mit folkloristischen Elementen
anderer Kulturen und Epochen wird aber in diesem Jahr den Schwerpunkt
ausmachen. Im Bereich der Kunst suchen wir nach Inspirationen für unser nächstes Booklet. Da die Bilder der großen Maler und Fotografen schlichtweg unbezahlbar sind,
warten wir noch auf eine Eingebung. Vielleicht bringt dies ja die nächste
Ausstellung „Zum Sterben schön !“ im Kölner Museum Schnütgen mit sich.
[Legacy] Wie beziehungsweise in welche
Richtung haben sich eure musikalischen Ziele beziehungsweise Interessen seit
der damaligen Gründung der Gruppe entwickelt?
[Hydra] Wir sind in unserem Stil sicherer geworden. Die Frage, die wir uns
anfangs häufig gestellt haben: „Darf man das im Blackmetal überhaupt so
machen ?“ tritt immer seltener auf. Wir beziehen uns heute mehr darauf,
das zu spielen, was uns ein Bedürfnis ist, auszudrücken und was uns schlichtweg
einfach gefällt. Wir haben ebenfalls die Faszination des Midtempos für uns
entdeckt, weil in unseren Augen (und Ohren) das Böse selten durch die Reihen
tobt, sondern schreitet. So bringen wir auch mehr helle und strahlende
Elemente in die Musik mit ein, weil wir finden, dass schwarz auf weiß am Besten
aussieht. Momentan arbeiten wir daran, die Gitarrenlinien noch härter und
komplexer zu gestalten.
Aus diesem Grunde haben wir uns vor einem halben Jahr entschlossen, Sturm
als zweiten Gitarristen mit ins Team zu nehmen. An der ursprünglichen Besetzung
hat sich seit der Gründung sonst nichts geändert: Scathar an der Gitarre,
Fugger an den Drums, Orpheus am Bass und meine Wenigkeit an den Keys. Als
Sänger ist Benny hinzugekommen.
[Legacy] Seit
nicht geringer Zeit gibt es ja auf dem Musikmarkt eine schier erdrückende
Schwemme an Black Metal-Veröffentlichungen. Das meiste ist
unterdurchschnittlich; welche der "Guten" sind deine Favoriten?
[Hydra] Oh, darauf könnte ich höchstens antworten, was mich in letzter Zeit
sehr angesprochen hat: Das sind Fjoergyn, Bishop of Hexen und Morgart.
[Legacy] Wie geht es bei euch weiter - wie
hoch habt ihr eure Ziele gesteckt?
[Hydra] Das Wichtigste ist für uns erstmal, dass wir so ernsthaft und
harmonisch weiterhin zusammenarbeiten, wie bisher. Wenn alles so weiterläuft,
werden wir wohl im nächsten Jahr wieder ins Studio gehen. Bis dahin haben wir
hoffentlich einen Weg gefunden, unsere immensen Unkosten zumindest halbwegs zu
reduzieren. Außerdem wird es auch Zeit, sich im nächsten Jahr mal bei den einschlägigen
Labels mit unserer Musik vorzustellen. Wie die meisten Bands haben wir
natürlich auch unsere kleineren und größeren Träume, die letztendlich auch
unsere zukünftigen Schritte beeinflussen werden…
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